LOGENGESCHICHTE

Die Johannisloge Freiherr vom Stein ging im Jahre 1924 aus der Loge Armin zur deutschen Treue hervor. Der Zustrom zum Armin war in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg so groß, dass das brüderliche Miteinander litt. Brüder mit reformerischem Geist taten sich zusammen, um eine neue Bauhütte zu gründen.

Am 22. März 1924 wurde die Johannisloge Freiherr vom Stein unter dem Dach der Großen Nationalen Mutterloge zu den drei Weltkugeln gegründet. Der Namenspatron, Heinrich Friedrich Carl Freiherr vom und zum Stein, war ebenfalls Freimaurer. Er wurde am 5. Juli 1777 in die Loge Joseph zu den drey Helmen i.O. Wetzlar aufgenommen. Er gilt als bedeutender preußischer Staatsreformer, der seine Ideen in der sogenannten Nassauer Denkschrift niederlegte. Seine wesentlichen Verdienste sind die Bauernbefreiung mit Aufhebung ständischer Beschränkungen, die Einführung der Selbstverwaltung in den städtischen Gemeinden, die Neuorganisation der Staatsverwaltung, indem Ressortminister an die Stelle des Generaldirektoriums traten und Justiz und Verwaltung voneinander getrennt wurden. Nach dem Befreiungskrieg gegen das napoleonische Frankreich focht Stein auf dem Wiener Kongreß gegen Metternich und die Wiederherstellung der deutschen Kleinstaaterei, stattdessen für die deutsche Einheit mit einem starken Bundestag. Diesem Reformgeist fühlte sich die neue Bauhütte verpflichtet.

Im Stein entwickelte sich ein reges geistiges Leben. Doch zogen auch die ersten dunklen Wolken am Horizont auf. Deutschnationale Kreise schoben die Verantwortung für den verlorenen Ersten Weltkrieg Juden, Jesuiten und Freimaurern in die Schuhe. Obwohl sich die Brüder nach Kräften gegen diese Propaganda wehrten, konnten sie nicht verhindern, dass diese auf fruchtbaren Boden fiel. So war es den Nationalsozialisten ein Leichtes, nach der Machtergreifung durch Gewalt und Verbote die Bauhütten zur Selbstauflösung zu zwingen. Auch Versuche, das Logenleben dadruch aufrechtzuerhalten, dass die Großloge sich in Nationaler christlicher Orden Friedrich der Große und unsere Loge sich in Ordensgruppe Freiherr vom Stein umbenannte, fruchteten nicht. am 15. Juli 1935 erfolgte die Selbstauflösung. Immerhin gelang es den Bielefelder Logen, ihr Vermögen dem Zugriff des NS-Staates zu entziehen und mildtätigen Stiftungen zu übertragen - so konnten sie indirekt weiter freimaurerisch wirken.

Nach dem Krieg kam das freimaurerische Leben wieder in Gang. Doch durften zunächst nur gesellige Treffen abgehalten werden. Erst am 28. Januar 1947 genehmigte die britische Militärregierung die Gründung der alten Bielefelder Logen. So konnte die Freiherr vom Stein - Loge am 5. Juli 1949 wieder in Arbeit gesetzt werden. 1999 feierten wir dann das 75. Jahr unseres Bestehens.

LOGENHÄUSER

Ursprünglich residierte die Loge Freiherr vom Stein im Logenhaus an der Brüderstraße, der heutigen Elsa-Brandström-Straße. Dort hatte der Armin 1874 ein Grundstück erworben, um darauf ein Logenhaus zu errichten. Dieses konnte im Folgejahr eingeweiht werden und bot, der Freimaurerei in Bielefeld, damit erstmals eine feste Heimat. Der häufige Wechsel angemieteter Lokale gehörte endlich der Vergangenheit an. Im Jahre 1936 mußte der Armin das Haus im Zuge der von den Nationalsozialisten erzwungenen Selbstauflösung einer karitativen Organisation übereignen. Am 25. Februar 1945 wurde es bei einem Bombenangriff völlig zerstört.

Mit dem Wiedererstarken der Logen mußten diese nach dem Krieg zunächst wieder mit wechselnden Domizilen vorlieb nehmen. Pläne, das alte Logenhaus wieder aufzubauen, scheiterten an den Kosten. Im Jahr 1955 ergab sich eine güstige Gelegenheit, das Haus Lessingstraße 3 zu erwerben, welches zuvor von den britischen Besatzern genutzt worden war. Brüder der Loge Freiherr vom Stein brachten das zum Kauf notwendige Geld auf. Unter Beteiligung des Armin wurde die Gesellschaft Lessinghaus gegründet, die das Anwesen verwaltet und erhält. Auch die Loge Zur Brudertreue im Ravensberger Land, der Industrie- und Handels-Club, sowie andere Organisationen sind im Lessinghaus beheimatet. Hier finden nicht nur die Tempelarbeiten der Logen statt, das gediegene Ambiente des inzwischen vollständig renovierten Hauses ist auch Stätte geselliger Festivitäten und Familienfeiern mit besonderem Flair.